18.09.2025
von Nina Saam/Kehler Zeitung
Im Rahmen einer CDU-Mitgliederversammlung stellte Baubürgermeister Thomas Wuttke die anstehenden Bauprojekte der Stadt vor. Dabei gab es viele kritische Nachfragen aus dem Publikum.
Rund 70 Menschen waren in den Zedernsaal gekommen, beileibe nicht nur Parteigänger, sondern auch andere interessierte Bürger, die das Tun der Stadt durchaus kritisch verfolgen, wie an den vielen Fragen aus dem Publikum zu spüren war.
Eigentlich sollte der aktuelle Stand der drei großen städtebaulichen Projekte – Kombibad, Verwaltungsgebäude, Untere Hauptstraße – präsentiert werden, doch wer Daten und Zahlen erwartete, wurde enttäuscht: „Wir haben in der Sommerpause hart gearbeitet, aber bevor ich hier etwas über Zeitpläne und Geld verrate, müssen wir erst mit dem Gemeinderat reden“, sagte Thomas Wuttke.
Auch fiel die Umgestaltung der Unteren Hauptstraße ein wenig unter den Tisch, weil schon zu den anderen Projekten sehr viele Fragen aus dem Publikum kamen.
Der dickste Brocken ist mit einer Bausumme von 47 Millionen Euro das Kombibad – laut Wuttke das größte Projekt der letzten Jahrzehnte und eine „wahnsinnige Herausforderung“, da wie in allen Kommunen die finanzielle Lage auch in Kehl schwierig sei. Es gebe auch Kritik von außen, dass die Stadt für eine freiwillige Leistung so viel Geld ausgebe. Die Stadt habe aber einen klaren Auftrag vom Gemeinderat bekommen und sehe das Schwimmbad auch als Daseinsfürsorge: „Wir als Kommune wollen gewährleisten, dass für unsere Kinder Schwimmunterricht stattfindet“, sagte er. Derzeit sei das Projekt in der Planungsphase und werde im Herbst wieder in den Gemeinderat kommen.
Während das Bad nicht in Frage gestellt wurde, gingen die Anwesenden mit dem geplanten Verwaltungsgebäude hart ins Gericht. Der Neubau auf dem Rathausplatz soll 26 Millionen Euro kosten und 152 städtischen Mitarbeitern Platz bieten. Anders als beim Landratsamt-Neubau hinter dem Bahnhof wird es für jeden Mitarbeiter einen Schreibtisch geben, „da gefühlt alle vormittags arbeiten wollen“, so Wuttke. Dafür sei man aber beim Platzbedarf mit acht Quadratmetern pro Mitarbeiter an die untere Grenze gegangen. „Das wird schon eng – und wer kann, der geht dann schon ins Homeoffice“, sagte der Baubürgermeister.
Es entspann sich eine rege Diskussion um die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen und der Arbeitskultur, um Parkmöglichkeiten und die Verkehrssituation rund ums Rathaus. Vorschlägen, die Verwaltung in anderen freiwerdenden Gebäuden wie der Wilhelmschule oder dem jetzigen Sitz des Jobcenters und des Jugend- und Sozialamts in der Richard-Wagner-Straße unterzubringen, erteilte Wuttke eine klare Absage: „In der Wilhelmschule müsste man Millionen versenken, um dort Büros einzurichten“, sagte er. „Es ist ein Missverständnis, dass es mehr Geld kostet, ein neues Verwaltungsgebäude zu bauen.“ Keins zu bauen, sei auch teuer: Die Räume müssen angemietet und umgebaut werden, und während der mit öffentlichen Mitteln geförderte Verwaltungsneubau das Vermögen der Stadt mehre, sei bei einer Mietlösung das Geld hinterher weg. Zudem sei die Richard-Wagner-Straße zu weit entfernt vom Rathaus. Ziel sei es ja, alle Mitarbeiter an einem Ort zu bündeln. „Man muss auch bei all diesen Möglichkeiten viel Geld in die Hand nehmen und bekommt dann nur die zweitbeste Lösung“, zog Wuttke ein Fazit.
Das Sanierungsgebiet Untere Hauptstraße reicht von der Fußgängerzone bis zur Christuskirche und umfasst auch das Rathausareal und das Gelände der Wilhelmschule. Als städtebauliches Entwicklungsgebiet gibt es hier staatliche Förderung. Auch private Hauseigentümer in dem Gebiet können Zuschüsse beantragen. So soll das Wohnumfeld verbessert und der Platz zwischen den Häuserwänden neu aufgeteilt werden, es gibt Überlegungen, der dortigen Gastronomie mit Terrassen mehr Raum zu geben. Auch hier will die Stadt einen hohen einstelligen Millionenbetrag investieren.
Nach anderthalb Stunden beendete Heinz Rith, Sprecher der CDU/FDP-Fraktion im Gemeinderat, die Diskussion. Die Stadt werde bis 2029 bis zu 130 Millionen Euro investieren, die eine Hälfte fließe in Schulen und Kitas, die andere ins Kombibad und das Verwaltungsgebäude. „Wir stehen zu unseren großen Projekten“, bekräftigte er.
Allerdings fehlten rund zwölf Millionen Euro im Ergebnishaushalt. Wichtig sei nun, die vom Regierungspräsidium geforderten Konsolidierungsmaßnahmen umzusetzen – zum einen unrentable Gebäude abzustoßen, zum anderen an der Gebührenschraube zu drehen. „Wir sind noch weit weg von einer Lösung, wir stehen erst am Anfang“, sagte er.
Sanierung Wasserband: Nachdem der Wasserspielplatz aufgewertet wurde, muss jetzt das Wasserband saniert werden. Das kostet die Stadt „einen hohen sechsstelligen Betrag“, so Wuttke.
Rosengarten: Auf Wunsch der Gastronomen in der Jahnstraße, die die neuen Außenterrassen gepachtet haben, sei mit den Arbeiten nicht schon im Sommer begonnen worden. Inzwischen sind die Bagger da: Zur nächsten Saison soll der Rosengarten fertig sein.
Schneeflären: Mit dem Bau der Unterkunft für Geflüchtete in der Astrid-Lindgren-Straße wurde bereits begonnen. Dort sollen rund 60 Bewohner einziehen.
Glasfaserausbau in der Kernstadt: Die Stadt setzt im Zuge der Kabel-Arbeiten durch die Telekom auch eigene Baumaßnahmen um, zum Beispiel die Absenkung einiger Bordsteinkanten.
Kronenhof: In Kürze sollen hier die Wasser- und Abwasserkanäle saniert werden.